Wald

Als der aus Aleppo stammende Amin (16) gemeinsam mit seiner Schwester Latifa in einem Flüchtlingslager mitten im deutschen Wald eintrifft, hofft er zunächst, den Wirren des Krieges in Syrien für immer entkommen zu sein. Vor allem die Freundschaft zum 25jährigen Sherif, der sich seiner annimmt und ihm zeigt, wie man die strengen Regeln des westlichen Landes tollkühn umgehen kann, erfüllt ihn mit neuer Lebenskraft. Was als spannendes Abenteuer beginnt, entwickelt sich jedoch nach und nach zu einem Albtraum. Spätestens mit dem Auftauchen einer Schusswaffe werden die Exilanten mit aller Härte vom Kriegsgeschehen im fernen Syrien eingeholt.

Mit den neugierigen Augen des sechzehnjährigen Amin entführt WALD den Zuschauer in eine fremde, abenteuerliche Welt, die direkt vor seiner Haustür liegt. Der unablässig tobende Syrienkrieg wird an einen surrealen Ort verlegt. Der westeuropäische Wald, der die Flüchtlinge aus dem Nahen Osten umgibt, ist ein gleichsam wild-romantisches wie abenteuerliches Gefängnis – eine unüberwindbare Mauer aus Holz, hinter der die Frauen, Männer und Kinder in einem Mikrokosmos gefangen sind. Wirkt es auf den ersten Blick, als lebten sie friedlich zusammen, existieren jenseits des Alltags jedoch zwei Lager: auf der einen Seite der charismatische Sherif und seine Freunde von der demokratischen Opposition, auf der anderen eine Gruppierung, die den Jihadisten nahesteht. Während sich die politischen Todfeinde in ihrem Heimatland mit allen Mitteln bekämpfen, führen sie im europäischen Exil einen gefährlichen Stellvertreterkrieg.

Der Wald ist Hauptschauplatz des Films. Abgesehen von einem nächtlichen Ausflug in eine deutsche Metropole findet hier der Großteil der Handlung statt. Hier werden sich zu Beginn Amins Schwester Latifa und Sherif ineinander verlieben; am Ende führt die Spirale der Gewalt immer tiefer in das Unterholz. Wie bei einer Schneelandschaft wirken die gleichmäßigen Farbtöne des Waldes, die die Ästhetik des Filmes bestimmen, nicht nur beruhigend auf das Auge; vor allem legen sie die Mechanismen des Kriegs mit schonungsloser Deutlichkeit bloß.

Regie: Constanze Knoche
Autor: Leis Bagdach, Constanze Knoche
Länge: 90 Minuten
Förderung: Drehbuch gefördert durch die BKM (2014)
Status: Projektentwicklung

Spielfilm

Dokumentarfilm

Kurzfilm